Diese Advents- und Weihnachtszeit ist anders; genauso wie das ganz Jahr 2020 schon anders war. Die Zerbrechlichkeit unseres Daseins wird einmal mehr spürbar. Angst und Verunsicherung machen die Runde; Abstand, Hygiene und Regeln sollen helfen. Am besten für sich bleiben, den Kopf einziehen und überdauern; dafür sind die meisten Menschen nicht gemacht.

Die Einsamkeit wird flankiert von permanenten Meldungen, besorgte Mienen deuten auf düstere Aussichten. Von unseren Mitmenschen geht Gefahr aus; es heißt, sie sind Überträger eines tödlichen Virus. Selten war Ratlosigkeit spürbarer als in diesen Tagen.

Hoffnungsvoll soll sich der Blick auf Biotech-Unternehmen richten: sie können, sollen, müssen unsere Rettung sein! Mein Herz kann sich nicht so recht an diese Hoffnung klammern.

Aber es bekommt eine Ahnung von der Tragödie in unserer Welt; dieser Symphonie aus Not, Macht (bestimmt auch oft mit den besten Absichten ausgeübte Macht), Geltungsbedürfnis, Habgier, in Selbstgerechtigkeit gipfelnden Egoismus: Das steht mir zu, das habe ich mir verdient!

In dieser Weihnachtszeit gibt es Kinder in den Flüchtlingslagern in Griechenland, die lebensmüde geworden sind. In unseren Familien gibt es neben tapferem Durchhalten auch schwindende Kräfte, Resignation und Sprachlosigkeit. Corona ist dabei auch wie ein Brennglas, welches bestehende Spannungs- und Konfliktlinien noch einmal deutlicher vor Augen und zu Herzen führt. Nach Zeiten von Zoomgottesdiensten, Lernsax-Schulwochen will man nicht in der Onlineweihnachtsstube, mit Onlineweihnachtsbaum und gechatteten Weihnachtsgrüßen landen.

In diesen Tagen begreife ich noch einmal neu, was es bedeutet, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, als Mensch in diese Welt gekommen ist, um Hoffnung, Versöhnung und Leben in Fülle zu bringen!

Ich spähe mit dem Fernglas an den Dezemberhimmel und sehne mich danach Jupiter und Saturn (den Stern von Bethlehem) so nah beieinander zu sehen, wie sie seit über 800 Jahren nicht mehr beieinander standen. Und wieviel Not hat diese Erde in dieser Zeit gesehen. Wieviel Unerträgliches ist dem Menschenherz widerfahren?

Wie befreiend ist es in den weiten Himmel hinauszublicken! Die Größe und Herrlichkeit von diesem Gott zu erahnen, der über all unseren Katastrophen steht. Gott wurde Mensch - er hat damit alle Bedürftigkeit und Verletzlichkeit geadelt. Wir sind nicht die Helden, die alles richtig machen! Wahrhaft königlich werden wir, wenn wir aufhören zu verdecken, zu vertuschen, was uns nicht gelungen ist, wo wir uns getäuscht haben, einem Irrtum aufgesessen sind. Sich berühren zu lassen, das Herz zu öffnen, Schwäche zeigen zu können ist die göttliche Dimension in uns.

Schuld, Versagen, Angst, Furcht und Sorge müssen dann nicht länger als Decke des Schweigens über unserem Leben liegen. Christus kann und will sie lüften; behutsam und zärtlich. Er sagt zu Dir: Ich habe Dich je und je geliebt, darum habe ich Dich zu mir gezogen aus lauter Güte (Jer. 31,3).

M.F.

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