Auf einem ausgedienten Industriegelände in Chemnitz habe ich dieses alte Fahrzeug entdeckt, gelb auf grün prangte mir entgegen: "Gott ist seltsam"!

Wenn etwas oder jemand seltsam ist, dann sind wir einer Sache oder jemanden näher gekommen und verstehen das allermeiste davon trotzdem nicht. Irgendetwas hat unser Interesse geweckt, wir waren neugierig, haben versucht etwas zu verstehen und sind dann unverrichteter Dinge wieder etwas auf Abstand gegangen und sagen: "Das ist seltsam!"

Anders zu sein ist für die Umgebung meistens mit einer Zumutung verbunden. Die Leute sagen z.B. mit befremden: "Die essen kein Fleisch", "Er liebt einen Mann", "Sie hat keine Kinder" usw.
Das harmlos wirkende Wort "Normalität" täuscht darüber hinweg, wie diktatorisch die Vorgaben alles Normalen und diejenigen, die gerne für normal gehalten werden, denjenigen zusetzen können, die im Herzen spüren, dass sie dem weder entsprechen wollen noch können. Und so gab es schon immer "Sonderlinge" und diejenigen, die auf keinen Fall für solche gehalten werden wollen.

Und so war Jesus schon damals den "ganz normalen, rechtschaffenen Menschen" eine Zumutung. Der heilige Gott gab sich mit Prostituierten und Kriminellen ab; er schaute immer direkt ins Herz und scherte sich nicht um Fassaden. Sein Zugang zu Menschen war und ist merkwürdig direkt.

Und zugleich war dieser Gott schon immer beispiellos bestärkend für Menschen in Bedrängnis und befremdlichen Verhältnissen. Wieviele konnten und können Hoffnung und Kraft entfalten, weil sie sich nicht länger ausgeliefert fühlen, weil sie um jemanden wissen, der über den Dingen steht (vergl. Röm. 8,34)?!

Und nicht zuletzt war es Gott selbst, der gekommen ist, um zu verändern und zu versöhnen. Die bestehende Realität ist nie alternativlos! Christen sehen sich damit im Gefolge eines Gottes, der immer für möglich hält. Sie sind damit beschenkt und gesegnet und können aus einem Brunnen schöpfen, der tiefer reicht, als Rechtschaffenheit und Aufrechterhaltung "ordentlicher Verhältnisse".

Und so steckt im Glauben an diesen Gott noch immer (gefürchtete) revolutionäre Sprengkraft;
denn nichts was lange so war, muss noch lange so bleiben; sowohl in den persönlichen wie gesellschaftlichen Verhältnissen.

Aber der allmächtige Gott wird damals wie heute nicht als "Big Boss" die Welt umkrempeln, obwohl er es sicherlich könnte. Er bleibt ein Gott voll Sanftmut und zarten Werbens; er liebt die kleinen Veränderungen im Herzen. Und so bleibt es wohl dabei: Gott ist seltsam!

  1. Kor. 13,12 (HFA):
    "Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt."

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